Kredit und Vertrauen (2010)

Jahresprojekt 2010 “Kredit und Vertrauen”:

Kultur braucht Wirtschaft, Wirtschaft braucht Kultur. Mannheim hat beides.

Das zeigt der soeben erschienene zweite Band der Reihe „Wirtschaft und Kultur im Gespräch” an der Universität Mannheim zum Thema „Kredit und Vertrauen”.

Das Buch “Kredit und Vertrauen” online im Campus-Shop der Universität Mannheim kaufen

Nicht nur in der aktuellen Forschung ist Vertrauen ein brandaktuelles Thema. Vertrauen wird als Fortschrittsfaktor und Sozialkitt in den Wirtschafts-, Politik- und Sozialwissenschaften erforscht: Länder, in denen die Menschen einander vertrauen, weisen ein höheres Wirtschaftswachstum und eine höhere durchschnittliche Lebenszufriedenheit auf. In dem soeben erschienen Band diskutieren Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft, Medien und Kunst folgende Fragen: Wie funktioniert Vertrauen? Ist Vertrauen nicht vielfach eine Ausrede für Trägheit? Wäre der Markt überhaupt überlebensfähig, wenn die Akteure statt Kapitalrenditen immer nur Vertrauenswürdigkeit im Sinn hätten? Und warum beschäftigt sich ausgerechnet die innovativste Spitzenforschung in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften mit Vertrauen?

Der Band dokumentiert aktuelle Forschungen, Gespräche, Vorträge und Diskussionen zum Thema „Vertrauen”, die unter dem Dach des Mannheimer Barockschlosses im Jahr 2010 stattfanden:

Otmar Issing, der Vater des Euro ist mit Cicero der Überzeugung, dass keine Sache den Staat mehr zusammen hält, als Vertrauen. Peter Raue, der berühmte Berliner Anwalt der schönen Künste, denkt nach über die Regeln des Kunstmarktes, insbesondere über das Vertrauen in Kunstexperten und deren Einfluss auf dem renditeträchtigen Kunstmarkt. Die jüngsten Fälschungsskandale der Sammlung Jägers machen diesen Beitrag hochaktuell. Raues Rat, „kaufen Sie, was Ihnen gefällt” setzt klipp und klar auf das Vertrauen in den gesunden Menschenverstand. Rupert Graf Strachwitz fragt nach Vertrauen in öffentliche Arenen. Der Mannheimer Organisationstheoretiker Alfred Kieser hinterfragt das Vertrauen in Leistungskennziffern und Ranglisten als Qualitätsindikatoren im Wissenschaftsbetrieb. Aus Philosophischen Köpfen werden auf diese Art und Weise „Brodgelehrte” (Friedrich Schiller). Unter dem Motto „Unser täglich Ranking gib uns heute …” fand zu diesem Thema eine spannende Diskussion zu Objektivitätsgeneratoren im Wissenschaftsbetrieb im Mannheimer Schloss statt. Neben Kieser waren Stefan Hornbostel, Jürgen Kaube und Frank Ziegele beteiligt.

Die Mannheimer Finanzexperten Martin Weber und Markus Glaser (jetzt Konstanz) warnen vor zu viel Vertrauen in jene, die vorgeben zu wissen, wie sich die Kurse entwickeln. Timothy Guinnane, Wirtschaftshistoriker aus Yale vertritt die provokante These, dass Vertrauen im Finanzsektor ein überflüssiges Konzept sei. Josef Zimmermann fragt nach den Vorteilen einer vertrauensbasierten Hausbankbeziehung gegenüber der stets bedarfsorientierten Abdeckung des Finanzbedarfs im Alltagsgeschäft herkömmlicher Kreditinstitute. Frank Merkel untersucht Markenführung als ethisches Prinzip und erklärt als Marketingfachmann, warum Vertrauen verpflichtet.

Konstantin Adamopoulos, Kurator des „Mannheimer Bronnbacher Stipendiums”, fragt nach dem stets prekären Verhältnis zwischen Vertrauen und Innovation. Entsteht nicht dort Innovation, wo auf Kontrolle verzichtet wird? Die Mannheimer Bronnbacher Stipendiaten Iria Budisantoso und Christoph Sextroh denken über jenen Vertrauensvorschuss nach, der ihnen von Seiten des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft entgegengebracht wird.

Der Mannheimer Jurist Marc-Philippe Weller geht der Frage nach, in welchem Verhältnis die Vertragstreue als normative Größe („pacta sunt servanda”) und ihrem Gebrauch als Passepartout in verschiedensten Argumentationszusammenhängen steht. Die Rolle von Vertrauen im Wissenschaftsjournalismus hinterfragt der Medien- und Kommunikationswissenschaftler Matthias Kohring in seinem Beitrag über Qualität im Wissenschaftsjournalismus.

Aus sozialpsychologischer Perspektive betrachten Jana Janssen, Christiane Schoel und Dagmar Stahlberg das Problem der „gefühlten” Unsicherheit im Hinblick auf individuelle Bedürfnislagen nach zuverlässigen und vertrauenswürdigen Führungspersönlichkeiten. Aus der Perspektive der Behavioural Economics hinterfragt Klaus M. Schmidt (München) den Homo oeconomicus als Fiktion der Standardökonomie und stellt fest, dass Vertrauen, das Bedürfnis nach Ausgeglichenheit und soziale Präferenzen eine zentrale Rolle im aktuellen Verhalten seiner Probanden spielen. Der Germanist Jochen Hörisch geht aus von dem Faszinosum des „Wirtschaftsweisen” und hinterfragt das Vertrauen in institutionalisierte Instanzen vermeintlich zuverlässigen Wissens: „invisible hand, wenn es dich gibt, rette meinen Kredit, wenn ich noch einen habe”.

Zu einem Juwel wird dieses Buch durch die „Kunstkreditkarten” witzig, gut gemachte, kritisch hinterfragende Arbeiten einer Kölner Künstlergruppe, die die spannungsreichen Diskussionen zum Thema geistreich untermalen.

Für Studierende, Mitglieder von “ABSOLVENTUM – Das Absolventennetzwerk der Universität Mannheim” und Mitglieder bei “Freunde der Universität Mannheim” gilt ein Sonderpreis von 19,90 €, statt 24,90 € pro Buch, der nur beim Einkauf im Campus-Shop (auch online) gewährt wird. Im Campus-Shop können Sie Band 1 (“Geist und Geld”) und Band 2 (“Kredit und Vertrauen” auch im Paket für nur 39,80 € kaufen!

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Kehnel, Annette (Hg.), Kredit und Vertrauen, Frankfurt a.M. 2010.
Band 2 der Reihe „Wirtschaft und Kultur im Gespräch“
Hardcover mit Schutzumschlag
Ca. 240 Seiten
24,90 1 (D), 25,50 1 (A), 42,80 CHF
ISBN 978-3-89981-237-4 #3237
ET: November 2010
WG: 1789