Veranstaltungen bei “Kredit und Vertrauen”

28 Juli 2010 von Redaktion Kommentieren »

Folgende Veranstaltungen der Reihe “Kredit und Vertrauen” fanden in der ersten Jahreshälfte 2010 statt. Alle Informationen zu den aktuellen Terminen finden Sie unter Veranstaltungen. Die beteiligten Personen aus dem ersten Halbjahr finden sie hier, die Beteiligten im zweiten Halbjahr finden Sie unter Personen.

Veranstaltungsort war immer:
Universität Mannheim, Schloss Eingang Wirtschaftshochschule (Ostflügel)
Manfred Lautenschläger-Hörsaal O163

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15. März 2010, 17.15 Uhr | Eröffnungsvortrag “Geld und Vertrauen”

Eröffnet wird die Reihe von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Otmar Issing (Würzburg), der von 1998 bis 2006 als Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank für die Generaldirektionen Volkswirtschaft und Volkswirtschaftliche Forschung zuständig war. 2008 wurde Professor Issing von Bundeskanzlerin Merkel mit der Leitung der Kommission zur Erarbeitung von Vorschlägen für eine neue Finanzordnung betraut. Von 2008 bis 2009 hat er als Mitglied bei der De Larosière Kommission an Vorschlägen für Aufsicht und Regulierung der Finanzmärkte in Europa mitgewirkt. Sein einschlägiges Lehrbuch “Einführung in die Geldtheorie” ist 2006 in der 14. Auflage erschienen. In seinem neuesten Buch “Der Euro: Geburt – Erfolg – Zukunft” behandelt Professor Issing die Geschichte und Zukunft der gemeinsamen europäischen Währung. In seinem Vortrag wird er als einer der bedeutendsten Geldtheoretiker der Gegenwart die komplexen Grundlagen des Zusammenhangs zwischen Geld und Vertrauen darlegen.
Einführung: Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Wolfgang Franz (Mannheim)

22. März 2010, 19.00 Uhr | Podiumsdiskussion Vertrauen in Objektivitäten

Eine Welt ohne Evaluationen, Ratings, Rankings, Kennzahlen und Indices ist für uns kaum mehr vorstellbar. Fast alles lässt sich auf einer Skala von 1 bis 100 abbilden: Der Wert einer Immobilie, die Qualität von Waschmaschinen oder die Attraktivität eines Studienortes. Der Mensch verlässt sich gern auf Zahlen. Er scheint lieber zu zählen als zu lesen oder sich selbst ein Bild zu verschaffen.
Dieses Vertrauen in vermeintlich objektiv produzierte Tatsachen wird in dieser Podiumsdiskussion am Fall des Wissenschaftsbetriebes problematisiert. Evaluationen im Bereich von Wissenschaft, Forschung und Lehre sind im Grunde eine Form der Kreditvergabe: Ratings bestätigen einer Universität Qualität, Werte, Exzellenz oder eben das Gegenteil. Die Universität kann mit diesem Kapital arbeiten wie eine Bank mit ihren Einlagen. Über die Frage, inwieweit den methodisch abgesicherten Verfahren zur “Produktion von Objektivität” zu trauen ist, kann man streiten, auch darüber, in welchem Kontext welche Form der “Objektivität” sinnvoll zur Messung von Werten eingesetzt werden kann. Schließlich wäre die Frage nach den Alternativen ganz zentral: Wenn wir nicht evaluieren und ranken etc., wie sollen wir dann Qualität messen?
Über diese Fragen diskutieren der Wissenssoziologe Prof. Dr. Stefan Hornbostel (Berlin), der Organisationstheoretiker Prof. Dr. Dr. h.c. Alfred Kieser (Mannheim), der F.A.Z. Wissenschaftsredakteur Jürgen Kaube (Frankfurt) und der Direktor des Zentrums für Hochschulentwicklung Prof. Dr. Frank Ziegele (Gütersloh).
Diskussionsleitung: Prof. Dr. Dagmar Stahlberg (Mannheim)

17. Mai 2010, 17.15 Uhr | Vernissage “Die Kunstkreditkarte”

Zum Auftakt dieser Veranstaltung stellen Mannheimer Bronnbach-Stipendiaten und Stipendiatinnen das Kölner Projekt “Kunstkreditkarte” vor. Iris Stephan, Angela Rohde, Peer Boehm und Ulrich Dohmen machen Kunst im Kreditkartenformat. Kunst wird zum tragbaren Gut, das ähnlich wie die Kreditkarte, Vorteile verspricht, Sicherheit in der Fremde geben soll und überall hin mitgenommen werden kann. Die Kreditkarte als Kunstform führt in ganz eigener Art und Weise auch die Pseudorationalität unserer alltagsweltlichen Kartenkultur (von Payback, über Versicherung bis Club) vor Augen. Im handlichen 8,5×5cm-Format werden gemeinsam mit persönlichen Daten Werte gespeichert, werden Vorteile und Privilegien in Materie geformt, die im Versprechen von Sicherheit und Zugehörigkeit dem Zeitgenossen des frühen 21. Jahrhunderts Vertrauen in seine Lebenswelt geben.

19.00 Uhr | Vortrag “Kunst und Markt – eine Mesalliance?”

Zu dieser Frage spricht der Berliner Anwalt und Kunstmäzen Prof. Dr. Peter Raue. Wahre Kunst will etwas ausdrücken und Stellung nehmen, entsteht jedoch nur im sogenannten zweckfreien Raum – der Kunstmarkt dagegen kalkuliert die Preise nach den Regeln von Angebot und Nachfrage im Vertrauen auf die ‚Marktgängigkeit‘ der Produkte. Dieses Dilemma wird der Vortrag ausloten. Er formuliert die Erfahrungen eines Juristen, der sich mit Fragen des Urheberrechts und des Presserechts immer an den Grenzen zwischen Kultur und Wirtschaft bewegte. Als langjähriger Präsident der Freunde der Nationalgalerie Berlin holte der “Anwalt der Schönen Künste” im Jahr 2004 etwa 200 Exponate aus der Gemäldesammlung des Museum of Modern Art nach Berlin. Eine Fortführung fand dieses Projekt mit der Ausstellung “Die schönsten Franzosen kommen aus New York” im Sommer 2007.
Diskussionsleitung: Prof. Dr. Louis Pahlow (Saarbrücken)

31. Mai 2010, 19.00 Uhr | Podiumsdiskussion “Vertrag ist gut – Vertrauen ist besser?”

Warum haben Länder, in denen die Menschen einander mehr vertrauen, ein höheres Wirtschaftswachstum und eine höhere durchschnittliche Lebenszufriedenheit? Wie funktioniert Vertrauen? Ist Vertrauen abhängig von kulturellen Prägungen? Welche Rolle spielen Fairness und Reziprozität in menschlichen Entscheidungsprozessen? Was genau versteht der Verhaltensökonom mit “Ungleichheitsaversion”, was meint der Jurist wenn er von Vertragstreue, Vertragsbindung und Vertrauenshaftung spricht? Wie beschreiben aktuelle Modelle der empirischen Sozialforschung den Faktor Vertrauen? Wie verhalten sich die Erfahrungen aus der unternehmerischen Praxis zu den Erkenntnissen der Wissenschaft?
Es diskutiert der Verhaltensökonom Prof. Dr. Klaus M. Schmidt (München) mit dem empirischen Sozialforscher und Spieltheoretiker Prof. Dr. Thomas Gautschi (Mannheim), dem Vertragsrechtler Prof. Dr. Marc-Philippe Weller (Mannheim) und der Unternehmensberaterin Stephanie Unger (Berlin).
Diskussionsleitung : Prof. Dr. Eckhard Janeba (Mannheim)

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