Leseprobe “Geist und Geld”: Manfred Fuchs über die moderne Unternehmensethik

11 Mai 2010 von Redaktion Kommentieren »

Der folgende Text ist ein Auszug aus dem Sammelband “Geist und Geld”, der die spannendsten und interessantesten Thesen und Erkenntnisse aus der gleichnamigen Vortragsreihe enthält.

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Lesen Sie weiter im Beitrag des Unternehmers Manfred Fuchs, der als Vorstandsvorsitzender und Hauptaktionär der Fuchs Petrolub AG und als Kunst- und Kulturmäzen nicht nur in der Region Mannheim geschätzt wird.

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Leistung und Wettbewerb

Zur Wirtschaft und zum unternehmerischen Handeln gehören Leistung und Wettbewerb. Sie sind die Voraussetzung des Erfolgs sowie eine Quelle der Kreativität, des Fortschritts und des Wohlstands. Nun wird der Unternehmenserfolg in vielfältiger und nicht nur rein finanzieller Weise zu messen sein, aber Gewinn und Rendite sind eines der wichtigsten Kriterien und in der Wirtschaft letztlich eben das entscheidende. Ist das unethisch? Oder: Wo beginnt es, unethisch oder zur “Gier” zu werden? Die Antwort muss mehrere Aspekte umfassen: Gier kann vorgebeugt werden durch korrespondierende Risiken, disziplinierende Haftung, wirksamen Wettbewerb sowie rechtliche Rahmenbedingungen und Restriktionen.

Gewinn

Die Worte “Gewinn”, “Gewinnmaximierung” oder gar “Profit” sind negativ besetzt. Sachlich ist Gewinn der Überschuss, die Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben bzw. Erträgen und Aufwendungen, und damit ein Maß für ein markt- und wettbewerbsgerechtes Geschäftsmodell und Produkt-Portfolio für wirtschaftliches Handeln (sparsame Unternehmensführung, Effizienz, Produktivität). Damit ist Gewinn auch eine “Messlatte” für die Leistung des Unternehmens und seiner Führung. Es stellt sich die Frage, ob nicht Missmanagement, Verschwendung, Nachlässigkeit unethisch sind, denn das gefährdet die Existenz und Zukunft des Unternehmens und damit die Arbeitsplätze.

Auch die bereits zitierte Enzyklika “Centesimus annus” von Papst Johannes Paul II. erklärte, dem Gewinn komme “”die berechtigte Funktion … als Indikator für den guten Zustand und Betrieb des Unternehmens” zu (CA 35). Ausreichender Gewinn sowie ausreichende Kapitalrendite sind kein Wert an sich, sondern entscheiden über die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens und damit auch über die Sicherheit der Arbeitsplätze, über Forschung und Entwicklung, Internationalisierung, Investitionen, Wachstum, Finanzierung, Wettbewerbsfähigkeit, Unabhängigkeit und über die
Fähigkeit, der gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden. Mitarbeiter und Kapitalanleger wollen nicht zu ertragsschwachen, ertragslosen oder verlustreichen Unternehmen gehen. Und Kunden, Lieferanten und Banken wollen nicht mit solchen Unternehmen arbeiten. Im Übrigen ist zu berücksichtigen, dass zu den Kapitalanlegern heute
auch Belegschaftsaktionäre, breite Schichten der Bevölkerung, Pensionsfonds etc. gehören. Sie alle wollen sehen, dass Wert geschaffen und nicht vernichtet wird, und das ist eben der Überschuss der Gesamtkapitalrendite über die Kapitalkosten. Börsennotierte Unternehmen stehen hierbei unter anderen Zwängen als Eigentümer- bzw. Familienunternehmen. Zu nennen sind zum Beispiel die Schaffung von Aktionärswert, der quartalsweise Erfolgszwang, die Ausschüttungserwartungen, die Transparenz und der Ruf in der Öffentlichkeit. Dies schafft ein anderes Unternehmerprofil und Unternehmerbild als bei Eigentümer- bzw. Familienunternehmen.

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Fuchs, Manfred: Unternehmensethik heute, in: Annette Kehnel (Hg.), Geist und Geld, Frankfurt a.M. 2009, S. 59–72.

1 Kommentar

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