Leseprobe “Geist und Geld”: Ludger Lieb über Geschenke und andere Sünden

10 Mai 2010 von Redaktion Kommentieren »

Der folgende Text ist ein Auszug aus dem Sammelband “Geist und Geld”, der die spannendsten und interessantesten Thesen und Erkenntnisse aus der gleichnamigen Vortragsreihe enthält.

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Die Antworten auf diese Frage gibt der Germanist Ludger Lieb in seinem Beitrag zu “Geist und Geld”. Im Folgenden ein Ausschnitt des Artikels.

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Liebesgaben werden hier ganz klar vom Ritter als Trophäen gezeigt: Feirefiz schmückt sich selbst damit. Aber auch er muss von dieser heidnischen Art der Liebesgaben-Minne ablassen. Statt Secundille, seiner heidnischen Geliebten, heiratet er – ohne Liebesgaben zu bemühen – wie sein Vater eine Gralstochter.

Die Liebesgaben ziehen sich wie ein Leitmotiv durch den „Parzival“. In seiner zweiten Ehe mit Herzeloyde zieht Gahmuret insgesamt 18-mal ein weißes Seidenhemd im Turnierkampf über seine Rüstung an. Die Hemden, die Herzeloyde davor getragen hatte und danach wieder trägt, werden auf diese Weise zerhauen und zerstochen. Ihre „Bearbeitung“ macht sie zu personalen Identifikationsgaben, weil die Kampfeskraft Gahmurets in sie eingeschrieben wird, und sie bekommen durch ihre Verbindung mit dem nackten Körper Herzeloydes einen metonymischen Präsenzwert für den jeweils anderen. Doch auch dies kann den Tod Gahmurets nicht verhindern, als er – erneut vom unstillbaren Verlangen nach Minne und Kampf getrieben – in den Orient zieht.

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Lieb, Ludger: Kann den Schenken Sünde sein?, in: Annette Kehnel (Hg.), Geist und Geld, Frankfurt a.M. 2009, S. 185-218.

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