Leseprobe “Geist und Geld”: Annette Kehnel im Gespräch mit Künstlerin Anja Schindler

14 Mai 2010 von Redaktion Kommentieren »

Der folgende Text ist ein Auszug aus dem Sammelband “Geist und Geld”, der die spannendsten und interessantesten Thesen und Erkenntnisse aus der gleichnamigen Vortragsreihe enthält.

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“Auf Knopfdruck kreativ zu sein, ist nicht möglich”, sagte die Künstlerin Anja Schindler auf Nachfrage der Historikerin Annette Kehnel. Lesen Sie mehr im Beitrag!

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Geld macht nicht glücklich, trotzdem ist es die notwendige Basis fürs tägliche Überleben. Geld mit seiner Kunst zu verdienen, ist ein schwieriges Unterfangen. Und dabei geht es nicht um den „Kunstdünger“, nicht um eine einzige Idee, die dann tausendfach reproduziert wird und sich aus diesem Grunde gut verkaufen lässt, sondern um Künstler und Künstlerinnen, die Ideen in sich tragen und den Drang in sich verspüren, diese umzusetzen, obwohl es aus finanzieller Hinsicht meist nicht rentabel ist.

Kunst ist Leben. Dieses Leben muss gelebt werden, Künstler müssen forschen, beobachten, erarbeiten, ausarbeiten, und das braucht seine Zeit, und diese lässt sich nur schwer bezahlen. Kunst braucht Konzentration und Freiräume. Diese in einem exakten Zeitplan zu produzieren, sozusagen auf Knopfdruck kreativ zu sein, ist nicht möglich. Wenn sich eine Künstlerin dann auch noch für Kinder entscheidet, ist es noch weitaus schwieriger. Kunst ist Verantwortung. Ein Künstler versucht etwas zu schaffen, das überdauert, etwas, was über seine eigene Existenz hinausgeht. Auch Kinder sind eine Verantwortung, die man übernehmen muss und nicht einfach wegschieben darf, wenn sie stören.
Zwei Verantwortungen, denen man zeitgleich nur schwer gerecht werden kann. Natürlich geht es in unserer heutigen westeuropäischen Gesellschaft nicht mehr um das Hungerleiden; unsere Grundbedürfnisse sind gesichert, aber es geht um Wertschätzung und Anerkennung. Diese Punkte werden in unserer Gesellschaft über das Geld definiert. Wer gut verkauft, ist erfolgreich. Wer nicht verkauft, ist ein Verlierer. Dabei hat sich in der Geschichte der Kunst immer wieder gezeigt, dass gerade die Querdenker ihrer Zeit voraus waren, nicht verstanden wurden und erst nach ihrem Tode geehrt wurden. Wir halten uns für eine Hochkultur, so wäre es doch wünschenswert, heutigen Künstlerinnen und Künstlern mehr Wertschätzung und Anerkennung zukommen zu lassen.

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Kehnel, Annette: “Mehr Geld – mehr Gold”?, in: Annette Kehnel (Hg.), Geist und Geld, Frankfurt a.M. 2009, S. 155–184.

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