Archiv für Oktober 2010

Rückblick: “Vertrauen in gesellschaftliche(n) Arenen”

28 Oktober 2010

Am gestrigen Mittwoch Abend folgte Dr. Rupert Graf Strachwitz der Einladung von Frau Prof. Dr. Annette Kehnel und sprach im Rahmen der Reihe „Wirtschaft und Kultur im Gespräch“ über „Vertrauen in gesellschaftliche(n) Arenen“ (hier die Ankündigung). Graf Strachwitz ist Direktor des Maecenata Instituts für Philanthropie und Zivilgesellschaft an der Humboldt Universität zu Berlin und beschäftigt sich seit Jahren, sowohl forschend als auch beratend, mit Stiftungen und ist auf diesem Gebiet ein ausgewiesener Experte.

Fotos von Marco Luciano unter CC (by-nc-sa)

In seinem Vortrag analysierte er die Funktion und Bedeutung von ‚Vertrauen’ in der Gesellschaft und problematisierte dessen Stellenwert in den drei modernen Arenen: Dem Staat, dem Markt und der Zivilgesellschaft. Hierbei stellte er die an Niklas Luhmann angelehnte These auf, nach der ‚Vertrauen’ aus einem Mangel an rationalen Gründen für Entscheidungen hervorgeht. ‚Vertrauen’ kann somit als eine Art riskante Vorschussleistung interpretiert werden, die notwendig ist, um in immer komplexer werdenden Strukturen (in allen drei Arenen) handlungsfähig zu bleiben. In einer konzentrierten historischen Rückschau zeigte Graf Strachwitz, dass die Entwicklung der Gesellschaft nicht nur durch gegenseitiges Vertrauen, sondern auch von einem Mangel desselben geprägt ist. Schließlich sei die Etablierung des Gesellschaftsvertrages (Thomas Hobbes), aus dem fehlendem Vertrauen in die Mitmenschen geboren worden. Diese Unsicherheit wurde durch die Einsetzung eines Souveräns kompensiert, der Recht garantierte und fortan zum Vertrauensträger wurde.

Fotos von Marco Luciano unter CC (by-nc-sa)

In der aktuellen Entwicklung konstatiert Graf Strachwitz nun eine Umkehr dieses Verhältnisses, und sieht einen zunehmenden Vertrauensverlust der Bürger in ihre staatliche Vertretung. Durch eine Nichterfüllung der Interessenvertretung und eine Vernachlässigung der Gleichverteilung von Chancen, sinkt sowohl das Vertrauen, als auch die Risikobereitschaft ein solches als „Kredit“ vorzustrecken. Betroffen sind nicht nur staatliche Institutionen, auch der Markt hat als zweite wichtige Arena das Vertrauen buchstäblich verspielt. Am Beispiel der sozialen Markwirtschaft illustrierte Graf Strachwitz, dass sich das durch einzelne Akteure verspielte Vertrauen innerhalb einer Arena letztendlich auch auf das Vertrauen in das System als solches auswirkt und dieses schwer beschädigen kann. In einer solchen Vertrauenskrise jedoch, die sich in der gegenseitigen Beeinflussung von Markt und Staat noch weiter verschärft, kann die Arena der Zivilgesellschaft ein Gegengewicht schaffen. Die Zivilgesellschaft, welche immer nur pluralistisch existiert, wendet sich gegen die hierarchischen Strukturen des Staates und des Marktes, und stellt den Systemkolossen (Luhmann) kleine und überschaubare Einheiten gegenüber. Geprägt durch Selbstorganisation, Freiwilligkeit der Teilnahme und Partikularität, ist die oberste Maxime die Produktion „sozialen Kapitals“, das sich in ganz unterschiedlichen Formen darstellen kann. Innerhalb dieser neuen Netzwerke wird das verloren gegangene Vertrauen in die klassischen Systeme neu geschaffen, das zur Widererstarkung der Risikobereitschaft, Handlungsfähigkeit und somit schließlich zur Lösung gesellschaftlicher Probleme notwendig ist.

Trotz dieses dezidiert positiven Ausblicks vermerkte Dr. Rupert Graf Strachwitz dennoch, dass zivilgesellschaftliche Organisationen nicht per se gut seien, sondern auch immer auf ihre Ziele und Absichten hin zu prüfen wären. Damit schloss er seinen hochinteressanten und aufschlussreichen Vortrag. Die anschließend rege geführte und ausführliche Diskussion bot viel Raum, die Ausführungen zu vertiefen einzelne Facetten näher zu beleuchten. Wir bedanken uns bei Dr. Rupert Graf Strachwitz für seinen Besuch in Mannheim und bei den Gästen der Veranstaltung (alle weiteren Veranstaltungen hier).

Vortrag: Rupert Graf Strachwitz “Vertrauen in gesellschaftliche(n) Arenen”

19 Oktober 2010

Der Direktor des Maecenata Instituts für Philanthropie und Zivilgesellschaft an der Humboldt Universität zu Berlin, Dr. Rupert Graf Strachwitz (mehr zu seiner Person hier), wird am 27. Oktober 2010 nach Mannheim reisen, um an der Universität Mannheim einen Vortrag zu halten! Der von ihm gewählte Titel “Vertrauen in gesellschaftliche(n) Arenen” verspricht, dass wir Zuhörer nicht nur über Vertrauen im Stiftungswesen, Dr. Graf Strachwitz gehört zweifellos zu den größten Kennern des Stiftungswesens im ganzen Land, sondern auch über Vertrauen in und aus der Mitte der Gesellschaft heraus einiges erfahren werden.

Foto von Wolfgang Staudt unter CC

Denn gesellschaftliches Vertrauen verliert scheinbar immer stärker an Wert. Der Feststellung, Vertrauen sei das Gleitmittel gesellschaftlichen Lebens, steht heute immer häufiger die Beobachtung entgegen, dass der Staat und der Markt dieses Vertrauen verspielen. Die Weltwirtschaftskrise hat dieses Gefühl der Menschen in den vergangenen Monaten noch befeuert, die Proteste gegen Stuttgart21 mögen aktuell ein Ventil für den Unmut über den Vertrauensverlust der Menschen in Staat und Markt sein.

In dem Vortrag von Dr. Graf Strachwitz wird untersucht, ob und inwieweit die Zivilgesellschaft als dritte Arena gesellschaftlich relevanten Handelns in der Lage ist, diesen Vertrauensschwund aufzufangen, ob ihr daraus ein neuer Stellenwert erwächst und welche Konsequenzen dies für die Entwicklung einer demokratischen Gesellschaft haben kann. Der Vortrag beginnt um 19:00 Uhr im Manfred-Lautenschläger-Hörsaal (O 163) im Schloss Mannheim. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Alle Veranstaltungen auf einen Blick hier, auch als Download

Rückblick: “Malerei und Vertrauen”

6 Oktober 2010

Am Montag Abend trafen sich einige Interessierte, mehrere “Jahrgänge” der Stipendiaten des Bronnbacher Stipendium, der Kurator Kontantin Adamopoulos und der Künstler Carsten Fock zum direkten und ungezwungenen Austausch über Kunst im Allgemeinen, die Malerei im Speziellen.

Fotos von Marco Luciano unter CC (by-nc-sa)

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