“Erfolg und Werte” ist erschienen!

23 November 2011 von Redaktion Keine Kommentare »

Was macht glücklich? Persönlicher Erfolg oder eine Umgebung, in der Werte gelebt werden? Früher war die Forderung nach Werten eine Spaßbremse. Wer heute Werte fordert, kann unverblümt auf deren Nutzen für die Steigerung von Unternehmenswerten verweisen. Das Buch stellt keine Forderungen auf, wie eine Welt der Werte zu sein hat. Es untersucht in originellen Beiträgen – quer zu etablierten politischen Weltbildern –, wie Werte im täglichen Leben tatsächlich gebraucht werden. Frei nach Friedrich Nietzsche werden Menschen „Über Nutzen und Nachteil von Werten für das Leben“ befragt.

Das Buch verbindet geistreich Wissen mit Witz, alte Weisheiten mit neuen Einsichten, Literarisches und Pragmatisches – und das auf höchstem Niveau.

Mit Beiträgen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur von Peter Steinbach, Albert Ostermaier, Sabine Kuester, Jan van Deth, Manfred Fuchs, Hugo Bänziger, Ludger Lieb, Martin Seel, Alfred Kieser, Angela Keppler, Nick Lin-Hi, Dorothee Bugl-Haass, Silke Becker, Bernward Gesang, Hendrik Mäkeler und Jochen Hörisch.

“Erfolg und Werte” ist am 15. Dezember 2011 im FAZ-Verlag erschienen und kann im Campus-Shop (auch online) erworben werden.

Interview “Brückenschläge”

17 April 2011 von Redaktion Keine Kommentare »

Im Interview mit dem Hochschulmagazin MEIER uni.extra spricht Annette Kehnel über  Brückenschläge zwischen Kultur und Wirtschaft und den aktuellen Sammelband der Reihe zum Thema “Kredit und Vertrauen”.

MEIER Wie kam es zum Begriffspaar “Kredit und Vertrauen”?

ANETTE KEHNEL Im Wesentlichen versucht dieses Begriffspaar, ein Übersetzungsproblem zu meistern. Im Lateinischen sind beide Begriffe identisch: credere heißt “glauben” und “vertrauen”. Im Italienischen wird für den credito bei der Bank der gleiche Begriff gebraucht wie für den Verlass auf einen Freund. Im Deutschen dagegen scheinen beide Begriffe zunächst einmal aus sehr unterschiedlichen Sphären zu stammen: Kredit aus der Ökonomie, Vertrauen eher aus dem menschlichen Nahbereich, aus familiären Beziehungen, wissenschaftlich beschäftigt sich die Psychologie damit – dennoch hängt beides auch eng zusammen: Wer einen Kredit vergibt, tut dies in der Regel in dem Vertrauen, dass er das Geld zurückbekommt.

MEIER Welche Bedeutung hat Vertrauen in der Ökonomie denn überhaupt noch in Zeiten der Finanzkrisen?

KEHNEL Eine ambivalente Frage. Einerseits wird die große Lehman-Brothers-Krise von 2008 immer wieder als Vertrauenskrise analysiert. Die Banken haben das Vertrauen in ihre wechselseitige Liquidität verloren, sich gegenseitig nicht mehr getraut. Das ist eine Seite. Andererseits wäre hier aber auch mehr Misstrauen, mehr Kontrolle ratsam gewesen – etwa, wenn wir uns an die windschiefen Bungalows erinnern, die als Triple A – also die höchste Kategorisierungsstufe des Kreditratings, Ausfallrisiko ist fast Null – auf dem amerikanischen Immobilienmarkt gehandelt wurden. Hier hätten Nachfragen, sagen wir ruhig hier hätte mehr Misstrauen geholfen.

MEIER Also ist Misstrauen durchaus ein positiver Wert?

KEHNEL Wichtig ist, sich noch einmal klar zu machen, dass Vertrauen kein Wert an sich, sondern ein menschliches Grundverhalten ist. Vertrauen hängt dabei sehr vom Faktor Zeit ab: Vertrauen spart Zeit, macht komplexes Handeln möglich. Negativ formuliert erfolgt Vertrauen aber auch manchmal aus Bequemlichkeit, Faulheit. Blindes Vertrauen ist gefährlich. Trotzdem ist der Ruf nach mehr vertrauensbasierten Geschäftsbeziehungen gerechtfertigt. Im Sammelband untersucht dies Josef Zimmermann am Beispiel des Hausbankmodells, das ja von der Idee der vertrauensgestützten, Generationen überdauernden Zusammenarbeit lebt. Ganz generell funktioniert Gesellschaft, funktioniert Alltag nicht ohne Vertrauen: Wenn Sie zum Interview in mein Büro kommen, muss ich darauf vertrauen, dass Sie nicht mit der Axt auf mich losgehen. Im Alltag müssen wir auf die Schwerkraft vertrauen und darauf, dass eine rote Ampel für alle Halt bedeutet.

MEIER Was bedeutet Vertrauen in der Wissenschaft?

KEHNEL Wir studieren im Vertrauen auf die Wissenschaft. Dort geht es immer noch um die Suche nach der Wahrheit. Diese lebt von dem Vertrauen in die uns angeborene Neugier, von unserer Sehsucht danach, den Dingen auf den Grund zu gehen. Früher zählte bei der Studienplatzwahl so etwas wie Reputation. Heute wird versucht, Faktoren zu objektivieren. Das erspart wiederum Zeit, indem man nicht mehr zu allen Unis reisen muss, an denen man eventuell studieren möchte, nicht mehr alles selbstständig recherchieren muss. Die Frage bei Rankings ist immer: Wie lässt sich Forschung, diese Suche nach Wahrheit messen? Zurzeit werden Fakten gesammelt. Die Anzahl von Publikationen oder wie oft Wissenschaftler von anderen Forschern zitiert werden, sollen Auskunft über ihre Forschungsleistung geben. Diese Rankings fördern jedoch oftmals Mainstream und sagen nicht über die Qualität von Forschung aus. Der Ranking-Gegner und Mannheimer Organisationstheoretiker Alfred Kieser schreibt, dass Wissenschaft frei sei und so auch nicht an Produktionsraten gemessen werden dürfe. Er zitiert den amerikanischen Physik-Nobelpreisträger Richard Feynman: “Science is like sex. Sure, it may give some practical results, but that’s not why we do it.”

MEIER Sie haben das Zusammenspiel von Kultur und Wirtschaft am Beispiel der Organisations- und Wirtschaftprinzipien mittelalterlicher Klöster und Orden erforscht. Mit welchem Ergebnis?

KEHNEL Die Klöster haben unglaublich lange überlebt und ökonomisch sehr gut gewirtschaftet. Sie haben jedoch nicht nur eine Form von Kapital akkumuliert, nämlich ökonomisches, sondern sich auch um soziales und kulturelles Kapital bemüht. Es wurde gebetet und gearbeitet. Das zeigt, dass der Mensch nicht nur zweckrational und für seinen Vorteil arbeitet, sondern auch andere Werte eine Rolle spielen. Der homo oeconomicus ist ein sehr einseitiges Modell. Die Forschung hat das schon vor Jahren erkannt und dieses Modell verworfen. Die öffentliche Wahrnehmung hält oft länger daran fest. Wissenschaftliche Mythen halten sich oft erstaunlich lange. Diese zu widerlegen und zu korrigieren, ist auch eine Aufgabe unserer Reihe.

MEIER In der Einleitung des Sammelbandes schreiben Sie: “Wirtschaft und Kultur bleiben im Gespräch. Wirtschaft braucht Kultur. Kultur braucht Wirtschaft. Die Gesellschaft braucht beides. Dieses Wissen wird an der Universität Mannheim großgeschrieben.” Das war in Mannheim nicht immer so, es gab viele Feindbilder, Geisteswissenschaftler haben den Wirtschaftswissenschaftlern misstraut und umgekehrt.

KEHNEL Gerade in den letzten Jahren gab es viele Schritte aufeinander zu, viele Brückenschläge. Die Universität Mannheim ist eine unglaublich dynamische Institution mit sehr aktiven Studierenden und innovativen Förderern. Die Bronnbacher Stipendien sind ein gutes Beispiel, der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft hat hier ein Zeichen gesetzt und ein studienbegleitendes Stipendium entworfen, um das Denken in Alternativen, an den Grenzen zwischen Kultur und Wirtschaft zu fördern. Die Erkenntnis, dass die Welt komplex ist, komplexer als beispielsweise die oft engen Grenzen wissenschaftlicher Disziplinen, schweißt uns zusammen.

Das Interview führte Christina Gehrlein (UNI-MEIER SS-11)

Wie Vertrauen kommuniziert wird

30 November 2010 von Redaktion Keine Kommentare »

Vertrauen ist keine Konstante, sondern muss erst aufgebaut werden. Dabei spielt die Vertrauenskommunikation – in Unternehmen, zwischen Menschen, in der Werbung, etc – eine große Rolle.

Branko Woischwill, Doktorand an der Freien Universität Berlin, hat genau zu diesem Thema ein Blog aufgebaut: Neben umfangreichen Literaturangaben weist Woischwill auch auf den laufenden wissenschaftlichen Diskurs hin. Hier gelangen Sie direkt zum Blog.